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Frau und Herr P., Sie waren schon mal mit Ihrer Tochter in der Praxis von Frau Hiltpold in Schinznach im Kanton Aargau.
Wie sind sie auf die Grafomotorik- Fachfrau in der Schweiz aufmerksam geworden?
Unsere Tochter L., jetzt 8 Jahre, hat eine starke motorische Entwicklungsverzögerung von einer Kleinhirnhypoplasie welche auch besonders im grafomotorischen Bereich sichtbar ist. Zudem hat sie in beiden Händen eine Ataxie, was bedeutet, dass der Arm/Hand hin- und her wackelt. Wenn L. ein Glas zu trinken ansetzte, verschüttete sie einiges.
Das Malen fiel L. dadurch auch sehr schwer, sie hielt den Stift verkrampft, konnte nur grossflächig Striche machen (kritzeln), konnte wegen des Wackelns nicht einen bestimmten Punkt auf dem Blatt treffen, sie konnte nicht Bilder ausmalen, L. konnte den Stift nur hin und her über das gesamte Blatt bewegen, das Auffädeln von Perlen o.ä. war überhaupt nicht möglich, an Schreiben war nicht zu denken.
Auch konnte L. das Handgelenk nicht richtig bewegen, z.B. beim Schütten mit dem Salzstreuer bewegte sie den gesamten Arm, das Hangelenk war steif/verkrampft.
Wir haben in Deutschland verschiedene Ergotherapeuten aufgesucht. Eine sagte uns beim ersten Kennenlernen "na Schreiben wird sie sowieso nie, da können wir gleich mit dem Computer anfangen". Die Ergotherapie bestand hauptsächlich darin, zu basteln und zu kneten. Wir wollten uns damit nicht zufrieden geben und stöberten im Internet. Der Begriff Grafomotorik war uns eigentlich nicht vertraut. Durch Zufall sind wir auf die Internetseiten von Frau D. Hiltpold (fortan H.) aufmerksam geworden. Was uns sofort beeindruckt hat, waren die angebotenen Förderspiele für die Entwicklung der korrekten Hand- und Fingerbewegungen welche für das Schreiben erforderlich sind. Zudem war die gesamte Therapie von H. auf das Schreiben ausgerichtet.
Da L. durch intensive Physiotherapie in der Vergangenheit sehr gute Fortschritte beim Gehen erzielt hatte, wollten wir unbedingt auch für die Förderung der Grafomotorik eine intensive Therapie machen, unsere Vorstellung war: mind. 1 Woche mit täglich 2-3 Stunden Therapie.
Zunächst haben wir H. eine Video von L. beim Malen, Basteln, Essen geschickt. H. war bereit, L. für diese Intensivtherapie anzunehmen. Wir sind dann 2008 für eine Woche in die Schweiz gereist.
Wie haben Sie diese erste Therapie in Erinnerung?
L. wurde eine Woche, täglich 3-4 Stunden von H. behandelt.
Am Vormittag 1-2 Stunden und am Nachmittag 1-2 Stunden. L. war sofort von H. begeistert, weil die Therapie spielerisch durchgeführt wurde und ganz neue Dinge angeboten wurden, die L. nie zuvor erlebt hatte. Alle Spiele waren darauf ausgerichtet L.´s Hand und Finger in eine für das Malen/Schreiben korrekte Position zu bringen. L. arbeitete sehr konzentriert, die 3-4 Stunden vergingen wie im Fluge und L. wollte gar nicht aufhören, denn plötzlich merkte sie, dass sie doch etwas auf dem Papier schaffen kann.
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H. hat einen unerschöpflichen Vorrat an grafomotorischen Spielen/Ideen, L. wurde es nie langweilig. H. ist sehr auf L. eingegangen, sie konnte genau erkennen, wann die Aufmerksamkeit nachlässt und ein neues Therapieelement angeboten werden musste.
Erstmalig überhaupt hat es H. geschafft, L. zum eigenständigen, grafomotorischen Arbeiten zu motivieren, spielerisch, ohne Druck, L. wollte plötzlich von sich aus bestimmte Dinge weiter ausüben.
H. sagte uns bereits nach dem ersten Therapietag, dass L. gerade im feinmotorischen Bereich ihre Stärken hätte. Wir waren erstaunt, denn alle anderen Therapeuten hatte dies ja gerade verneint.
H. zeigt uns wie L. ihre Arme/Hände stabilisieren konnte, so dass die Ataxie sie nicht mehr so stark behinderte. In guter Erinnerung ist uns das Schiffchen, ein aus Papier und Klebstoff gefertigtes, kleines, ganz flaches Schiffchen. Hier musste L. ihr Handgelenk hineinlegen und dann über das Papier schippern. Das machte riesigen Spass und plötzlich konnte sie viel kontrollierter die Stiftführung ausüben, malte nicht mehr über das Blatt Papier hinaus.
Sie hatten H. die vergangenen 10 Tage als Therapeutin für Ihre Tochter in Ihrem Hause in Deutschland. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Im August 2010 haben wir erneut eine Intensivtherapie als Schulvorbereitung durchgeführt. Hierfür ist H. zu uns nach Deutschland gereist, hat in einem Hotel übernachtet und die Therapie in unserem Wohnzimmer durchgeführt.
Geplant waren 10 Tage mit täglich 2-3 Std. intensiver Therapie.
ABER: L. war zu wissbegierig und neugierig auf die neuen Spiele, so dass sie überhaupt nicht mehr aufhören wollte. Somit hat L. täg. 4-5 Std. gearbeitet.
H. hat es grossartig verstanden, die für L. in dieser aktuellen Situation richtigen Spiele anzubieten, sie zu motivieren, ihr Erfolgserlebnisse zu verschaffen und ihre Aufmerksamkeit zu fesseln. Interessant ist, dass L. die ganze Therapiezeit Dinge machte, die sie sonst nie wollte, weil sie es nicht konnte, wie z.B. Malen und Ausmalen, Steine für Ketten auffädeln, Striche (gerade, wellenförmig) auf das Papier zeichnen, Tischfussball spielen (das war schwer für L., denn wenn der Ball auf ihr Tor zu kullerte und sie die Hebel zum wegschiessen betätigte, war der Ball schon in ihrem Tor. Vgl auch Hand-Auge-Koordination).
Nach den 10 Tagen war das Wohnzimmer voll mit selbstgestalteten Bildern, Collagen, selbstgefädelten Ketten u.a.. Die ganze Zeit war das Therapieklima sehr liebevoll, spielerisch aber immer zielorientiert.
L. mag Frau Hiltpod sehr und fragte ständig, wann sie denn am nächsten Tag wiederkommen würde. Morgens war sie ganz schnell fertig um nicht eine Sekunde mit Frau Hollypolli zu verpassen.
Hilfreich für die Schulvorbereitung war auch, dass H. die richtigen Stifte und Materialien für L. ausgewählt hat.
Für uns als Familie war H. eine echte Bereicherung, gerade mit einem behinderten Kind sind Spannungen in der Familie und eine nicht so korrekte/strenge Erziehung vorprogrammiert.
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H. hat mich als Mutter nicht nur geschult wie ich auf die grafomotorischen Dinge zu achten habe, sondern hat mir viele Tipps und Hinweise gegeben wie ein besserer Umgang mit meinen Problemen und Sorgen möglich ist.
Warum haben Sie gerade H. aus der fernen Schweiz engagiert?
Ganz einfach: Wir haben keinen vergleichbaren Therapeuten in Deutschland gefunden.
Was glauben Sie, wie Ihre Tochter diese intensive Therapiezeit erlebt hat?
Für L. war die Therapiezeit vor allem interessant und spannend. H. hat die verschiedenen Übungen so abwechslungsreich gestaltet, dass L. gar nicht bemerkt hat, dass sie in Therapie war. Zudem hat L. H. sehr lieb gewonnen, sie nennt sie Frau Hollipolly.
Welche Fortschritte hat Ihre Tochter während der grafomotorischen Therapie gemacht?
Nach der Intensivtherapie hatte L. nachfolgend aufgeführte Entwicklungsfortschritte gemacht. Einige davon waren direkt nach der Therapie, andere nach ca. 2-3 Wochen zu beobachten:
- L. hat Strategien verinnerlicht um ihre Ataxie zu kontrollieren und zu unterdrücken, (Oberarme an den Körper, Ellenbogen und Handgelenk auflegen). Dadurch kann sie das Wackeln der Hände unterbinden und ist so erst überhaupt in der Lage folgende Dinge zu tun:
-- Auffädeln einer Perlenkette mit sehr kleinen Perlen (ca. max. 8 mm)
-- Salz aus dem Salzstreuer korrekt aus dem Handgelenk zu schütten
-- Zielgerichtetes Positionieren/Aufsetzen des Stiftes. So konnte sie früher nicht den Stift auf einen Punkt ablegen um z.B. von dort einen Strich zu ziehen oder das Malen der Augen (links, rechts) und der Nase (mitte) in einem Kreis war nicht möglich. Die Augen z.B. malte sie außerhalb des Kreises.
-- Bedienung der Computertasten ohne daneben zu tippen, Bedienung der Computermaus ohne zu wackeln oder auf eine Schaltfläche zu klicken.
-- Spaghetti essen (richtiges Umwickeln der Spagetti und zum Mund führen)
- Korrekte Drei-Punkt Stifthaltung
- L. kann gerade Stiche (oben->unten, unten->oben, rechts-links) zeichnen
- Sie kann Dinge ankreuzen und einen Kreis (wenn auch noch nicht ganz rund) um Dinge machen.
- Beim Ausmalen malt sie nur noch wenig über die Umrandung, früher hatte sie das gesamte Blatt bemalt.
- Ganz wichtig: L. hat angefangen, die Striche und Kreise nur durch Bewegen des Daumens, Zeige- und Mittelfingers auszuführen.
Wie haben Sie H. als Therapeutin erlebt?
Fachlich sehr kompenent. H. hat neben den vielen Schwächen, die L. hat, als erste überhaupt auch die Stärken erkannt.
Die von Ihr entwickelten grafomotorischen Spiele/Übungen nehmen dem Kind die Angst, bestimmte Tätigkeiten auszuüben, welche sie nicht können. Im Gegenteil, das Kind ist plötzlich neugierig darauf, bestimmte Dinge zu tun.
Vielen Dank für die Beantwortung dieser Fragen und dass ich Name + Anschrift auf Anfrage weitergeben darf.
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